„Am Ende ist immer Verzicht …“

Sang damals Zarah Leander, die natürlich die Liebe meinte. Trotzdem fiel mir diese Liedzeile ein, als ich mal wieder über ein möglichst plastikfreies Leben sprach. Letzten Endes, so mein Gegenüber, hieße das doch, selbst geschnitzte Schuhe anzuziehen und auf vieles zu verzichten.

Wenn du also jemanden siehst, dessen Schuhe komisch aussehen, dann weißt du, dass er oder sie gerade versucht, mit weniger Plastik auszukommen.

Nachhaltigkeit = Verzicht?

Scherz beiseite. Stimmt die Formel „Nachhaltigkeit = Verzicht“ wirklich? Wahlweise könntest du anstelle der Nachhaltigkeit den Umweltschutz oder die Verantwortung einsetzen. Muss ich verzichten, wenn ich versuche, meinen Plastikkonsum zu reduzieren?

Zunächst einmal muss ich mitdenken, wenn ich die Milch nicht im Tetrapack, sondern in der Pfandflasche kaufe. Das ist einfach und kein Verzicht. Schwieriger ist es schon, an die mitgebrachten Schalen oder Taschen zu denken und die Erdbeeren oder das Brot nicht einzukaufen, wenn ich sie vergessen habe. Das ist echter Verzicht, aber auch das ist noch recht einfach.

Vom flüssigen Waschmittel in Plastikflaschen auf Pulverwaschmittel in Papierkisten umzusteigen, ist gewöhnungsbedürftig. Das Hantieren mit der Papierkiste ist weniger komfortabel als mit der Plastikflasche. Ein Verzicht an Bequemlichkeit also. Dafür hatte ich großen Spaß daran, eine schöne, gebrauchte Blechdose zu suchen, in die ich nun das Pulver umfülle. Seitdem hat die Bequemlichkeit einen großen Sprung nach vorne getan. Und auch das ist noch recht einfach.

Schöne alte Blechdose mit Blumen für Waschmittel - mein Ausgleich für den Verzicht auf die Bequemlichkeit des flüssigen Waschmittels.

Neue alte Blechdose

Verzicht = Bereicherung

Das Badezimmer, ich werde darüber noch bloggen, ist eine echte Herausforderung. Ich sage nur Shampoo. Ein echter Verzicht, kein Shampoo zu benutzen, sondern zur Haarseife zu greifen. Haarseife klingt nicht sexy. Aber ich bin ja auf dem Weg zu einem plastikfreieren Leben, ich probiere es aus. Nach einigen Versuchen halte ich fest: Es ist einfacher als gedacht, strubbeliger und fühlt sich besser an. Was wie ein wahrer Verzicht scheint, könnte sich als Bereicherung herausstellen.

Das Nicht-Shampoo-Beispiel ist natürlich motivierend, vor allem am Anfang. Ich weiß, nicht alle Versuchszitronen werden sich in Limonade verwandeln. Manches werde ich auch nicht umsetzen können. Doch werde ich zukünftig entschieden widersprechen, wenn jemand sagt, dass der Versuch, auf Plastik zu vermeiden, zwangsläufig Verzicht sein muss.

Das kann so sein, muss es aber nicht, und hängt auch von der eigenen Sichtweise ab. Würden wir alle etwas mehr verzichten, bekämen wir eine Menge zurück: saubere Meere, Artenvielfalt, mehr Umwelt. Vielleicht fällt uns der Verzicht leichter, wenn wir uns klarmachen, was wir dafür bekommen (können).

One thought on “„Am Ende ist immer Verzicht …“

  1. Hallo,
    zur „Versuchzitrone Haarseife“ (weil die Kombination der beiden Ausdrücke hier so wunderbar passt): Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Haare, die mit Haarseife gewaschen werden, nur dann strubbeliger sind, wenn man im Anschluss daran keine saure Rinse macht (d.h. eine Spühlung aus 1L Wasser und 2-3 EL Zitronensaft oder Essig). Hast du das schonmal ausprobiert? Auf diese Weise musst du auch nicht auf die Pflegespühlung verzichten 😉

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